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Museum Arno Breker

   

1 9 0 0 - 1 9 4 9

 

   

Biographie

 
   

Arno Breker - Selbstbildnis

 

Arno Breker
Selbstbildnis - 1918

 

1 9 0 0

19. Juli als ältester Sohn des Steinbildhauers und Grabmalkünstlers Arnold Breker und seiner Ehefrau Luise in Elberfeld geboren. Die Vorfahren mütterlicherseits waren im 17. Jahrhundert als Hugenotten aus Lothringen nach Deutschland geflohen

1 9 0 7 - 1 9 1 6

Schulbesuch mit Abschluss der Oberrealschule in Elberfeld

1 9 1 5

Breker entscheidet sich für die Bildhauerei, nachdem er eine Arbeit Rodins, das EHERNE ZEITALTER, im Düsseldorfer Museum gesehen hat

Er liest mit Begeisterung Rainer Maria Rilkes Buch über Rodin. Lernt bereits in der väterlichen Werkstatt mit dem Steinmeißel umzugehen

1 9 1 6 - 1 9 2 0

Nach Abschluss der Oberrealschule Übernahme der Leitung des väterlichen Werkstatt, sein Vater wird zum Militär eingezogen

Neben der Tagesarbeit belegt Breker Anatomie- und Zeichenkurse an der Kunstgewerbeschule Elberfeld

Er versucht 1918/1919 mit dem Künstler und Professor Adolf von Hildebrand (München) zusammenzuarbeiten. Er muss aber aus wirtschaftlichen Gründen auf eine Übersiedlung nach München verzichten

1 9 2 0 - 1 9 2 5

Beginn des Studiums an der Düsseldorfer Akademie bei Hildebrands Schüler Hubert Netzer (Bildhauerei) und Prof. Wilhelm Kreis (Architektur)

Die ersten Akademiearbeiten sind abstrakt: schalenartige Formen mit Metallkonstruktionen kombiniert, wendet sich aber bald der klassischen und postkubistischen Bildhauerei zu

Er nimmt mit Erfolg an einigen Architekturwettbewerben teil

Lernt in Weimar Walter Gropius und Paul Klee kennen, die ihn in ihre Ateliers einladen

1 9 2 2

Gestaltet den "Regenschirm-Raum" für eine Ausstellung der Akademie in Düsseldorf: vier regenschirmartige Pfeiler stützen ein surreales Gewölbe. Der Skulpturenschmuck ist abstrakt

Der Düsseldorfer Kunstverein beauftragt ihn, Jahresgaben zu schaffen (Terrakotta)

Die kubistische Figur "Stehendes Mädchen" wird vollendet. Das erste in einer Zementmasse gegossene Exemplar befindet sich heute im Breker-Museum

1 9 2 4

Erste Parisreise. Bekanntschaft mit Jean Cocteau, Jean Renoir sowie den Kunsthändlern Daniel Henry Kahnweiler und Alfred Flechtheim, der Breker ab 1929 vertritt. Begegnung mit Picasso in der Galerie Kahnweilers

Erster Staatsauftrag zur Gestaltung der Büste des SPD-Reichspräsidenten Friedrich Ebert

1 9 2 5

Abschluss des Studiums an der Düsseldorfer Kunstakademie

Die zur Ausstellung "Gesolei" im Auftrag von Wilhelm Kreis geschaffene liegende Monumental-Figur der "Aurora" auf dem Dach des Ehrenhofes in Düsseldorf beweist Brekers Begabung für baugebundene Bildhauerei

1 9 2 6

Arno Breker erhält den Wanderpreis des Regierungspräsidenten in Düsseldorf

Auftrag zur Gestaltung eines Kriegerdenkmals für die Stadt Budberg mit blockhafter Figurenbildung

Porträtbüste des Malers Otto Dix

Zweite Parisreise und Begegnung mit Alexander Calder

1 9 2 7 - 1 9 3 3

Breker zieht nach Paris, ins Zentrum der modernen Plastik

Er knüpft Kontakte und Freundschaften zu Künstlern und Intellektuellen wie Aristide Maillol, Charles Despiau, Maurice Vlaminck, Robert Delaunay, Emile Antoine Bourdelle, Constantin Brancusi, Jules Pascin, André Dunoyer de Segonzac, Paul Belmondo, Jean Fautrier, Charles Malfray, François Pompon, Robert Wlerick, Isamu Noguchi und Man Ray

1 9 2 7

Nordafrikareise, auf der die Radierungen- und Lithographienfolge "Tunesische Reise" entsteht

Breker entwickelt ein Gußverfahren der "reinen Form" ohne Oberflächenunebenheiten, das für die idealisierende Typisierung des Schaffens im NS (Nationalsozialismus) stilprägend wird

Auftrag einer Großplastik für die Kirche St. Matthäus in Düsseldorf

1 9 2 8

Breker setzt sich für die Verbreitung des Werkes von Aristide Maillol in Deutschland ein und unterstützt die Organisation einer repräsentativen Ausstellung in der Galerie Flechtheim in Berlin

Porträtbüste von Isamu Noguchi

1 9 2 9

Teilnahme Brekers am Salon d'Autonome in Paris

Der Kunsthändler Alfred Flechtheim übernimmt die Vertretung von Brekers Werk

Porträtbüste von Moissey Kogan

1 9 3 0

Ein Porträt von 'Friedrich Fries' und eine Büste 'Abraham Frowein'

Ausstellung "Von Carpeaux bis Breker" mit Kleinskulpturen durch den Kunsthändler Flechtheim in Düsseldorf

Auftrag für ein Denkmal Conrad Röntgens in Remscheid

Erste Entwürfe für ein Denkmal "Heinrich Heine", einem der Lieblingsdichter des jungen Breker

1 9 3 2

Bei einem Wettbewerb für ein Heinrich Heine-Denkmal der Stadt Düsseldorf gewinnt Breker nach Georg Kolbe den zweiten und den vierten Preis

Breker erhält den Rom-Preis des preußischen Kulturministeriums, womit auch ein Stipendium verbunden ist, und verbringt ein Jahr in der Villa Massimo

1 9 3 3

Studienaufenthalte in Rom, Florenz und Neapel

Die in Italien aufgenommenen Anregungen von der Skulptur der Antike und der Renaissance, besonders Michelangelos, bereiten entscheidend Brekers mittlere so genannte "klassische Periode" in seinem Werk vor

Er entwirft in Rom eine vielbeachtete "Vollendung" Michelangelos unvollendeter Pietà Rondanini

Er kehrt wieder nach Paris zurück, entschließt sich dann aber nach Deutschland zu gehen

1 9 3 4

Auf Drängen von Max Liebermann verlässt Arno Breker Paris und zieht um nach Berlin

Max Liebermann vermittelt ihm das Atelier des verstorbenen Tierbildhauers August Gaul und hilft Breker freundschaftlich, nach seinem siebenjährigem Auslandsaufenthalt sich in Berlin zu etablieren

Einzelausstellung Graphisches Kabinett in Bremen

1 9 3 5

Porträtbüste von Max Liebermann

Max Liebermann verstirbt. Auf Wunsch der Witwe Liebermanns nimmt Breker die Totenmaske im Haus Liebermanns am Brandenburger Tor ab

Einzelausstellung Galerie Vömel in Köln

Baugebundene Aufträge für Figuren für die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt Adlershof und fünf Reliefs für die Nordsternversicherung am Fehrbelliner Platz in Berlin

Teilnahme an der Ausstellung der "Berliner Secession"

Eintreten für Ausstellungsbeteiligung der Bildhauerin Käthe Kollwitz

1 9 3 6

Beteiligung an der Olympischen Kunstausstellung in Berlin

Breker gewinnt beim Plastik-Wettbewerb die Silbermedaille des Internationalen Olympischen Komitees für die Statuen "Zehnkämpfer" und "Die Siegerin". Damit erlangt er - zuvor als "Franzose" kritisiert - höchste offizielle Aufmerksamkeit

Breker trifft zum ersten Mal mit Adolf Hitler zusammen

1 9 3 7

Für die Weltausstellung in Paris fertigt Breker Skulpturen für den Deutschen Pavillon und ist Mitglied der internationalen Jury

Joseph W. Stalin bewundert auf der Weltausstellung Brekers Arbeiten

Heirat mit der Griechin Demetra Messala

Auf Wunsch von Despiau Mitglied der internationalen Jury zur Weltausstellung in Paris

Großplastiken "Prometheus" vor dem Haus der Deutschen Kunst in München, "Ikarus" für die ehemalige Luftkriegsschule in Dresden und "Löwen" am Maschsee in Hannover

Breker tritt der NSDAP bei, der bereits eine Vielzahl von Kunstschaffenden angehört wie der Maler Emil Nolde

Brekers Arbeiten nehmen auf Grund der Baugebundenheit monumentale Dimensionen an

1 9 3 7 - 1 9 4 5

Professor einer Bildhauerklasse an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin

1 9 3 8 - 1 9 4 4

Breker arbeitet eng mit Albert Speer zusammen und erhält zahlreiche Staatsaufträge. Speer verspricht ihm völlige "künstlerische Freiheit"

Auf ausdrücklichen Wunsch Adolf Hitlers, mit dem er auch in persönlichem Kontakt steht, ist er für den geplanten Ausbau Berlins tätig. Hierfür wird ihm ein eigenes Großraumatelier in Berlin-Dahlem errichtet, in dem regelmäßig internationale Künstler zum Dialog kommen

Anfertigung von Skulpturen und Reliefs für die Neue Reichskanzlei und andere öffentliche Gebäude, wie beispielsweise die allegorische Darstellung "Kameraden"

1 9 3 9

Studienreise nach Italien

Arbeitsangebot Josef W. Stalins für die Sowjetunion

Staatsaufträge für heroisch-athletische Monumental-Figuren für das "Reichsparteifeld" in Nürnberg wie "Bereitschaft" und "Künder"

Porträtbüste Richard Wagner für den Rosengarten in Bayreuth

1 9 4 0

Großer Preis von Italien

Mitglied der Preußischen Akademie der Künste

Weiblich, sanfte, Groß-Plastiken wie "Anmut" und "Schreitende"

Staatsauftrag für die künstlerische Ausgestaltung des Großen Runden Brunnens in Berlin in streng klassisch ausgearbeiteten mythologischen Motiven "Apollo auf dem Sonnenwagen"

Staatsauftrag zur Ausgestaltung des geplanten Triumphbogens in Berlin mit vierundzwanzig Monumental-Reliefs

Die staatlich bestellten Auftragsarbeiten lassen unter dem Eindruck des Krieges teilweise gewaltsam-dramatische Monumentalwerke entstehen und führen Breker an die Grenzen seiner Werkstattkapazitäten

Breker erhält, von Adolf Hitler, zu seinem 40. Geburtstag den schlossartigen Landsitz Jäckelsbruch im Oderbruch geschenkt. Breker ergänzt die historische Anlage durch einen Atelier-Trakt

1 9 4 1 - 1 9 4 2

Im NS-Staatsauftrag werden die "Arno Breker Steinbildhauerwerkstätten GmbH" in Wriezen/Oder gegründet. Dort arbeiten unter der Leitung eines Beauftragten Speers Kriegsgefangene Künstler sowie Freiwillige aus Frankreich, Belgien, Luxemburg, Holland, Italien, der Ukraine, Sudetenland, Schlesien an der Umsetzung Brekers Modelle - wie die "Hitler-Büste" von 1941 mit. Claude Flammarion, der Sohn des berühmten französischen Verlegers, wird sein Privatsekretär

1 9 4 2

Auf Einladung der französischen Vichy-Regierung große Einzelausstellung in der "Orangerie" in Paris. Zur Eröffnung kommen neben vielen anderen Gästen seine französischen Freunde Aristide Maillol, Charles Despiau Jean Cocteau und Sacha Guitry. Auch Picasso und andere Künstler der klassischen Moderne besuchen später die Ausstellung

Organisation von Hilfsmaßnahmen und persönlicher Einsatz für bedrohte Künstler und jüdische Freunde wie Pablo Picasso, Dina Vierny, Herrmann Blumenthal und den deutschen Verleger Peter Suhrkamp

Porträtbüste Gerhart Hauptmann

Ab Juli stellt Breker seine Werke, mit anderen deutschen Künstlern, im Haus der Großen Kunst zu München (Neuer Glaspalast), aus: Relief "Der Wächter" und "Die Kniende"

Besuch des finnischen Architekten Alvar Aalto bei Breker in den Ateliers Jäckelsbruch und Wriezen/Oder

1 9 4 3

Reise nach Frankreich und erneuter Besuch Aristide Maillols

Einzelausstellung im Haus der Rheinischen Heimat in Köln

Porträtbüste Maurice de Vlaminck

Porträtbüste Aristide Maillol

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Einzelausstellung im Garnisonsmuseum in Potsdam

Relief "Du und ich"

1 9 4 5

Bei Zusammenbruch des "Dritten Reiches" führt die Zerstörung seiner Ateliers in Berlin, Jäckelsbruch und Wriezen/Oder zur Zerstörung von rund 90% seiner Werke (1938-1944). Sein Meisterschüler Bernhard Heiliger bleibt einige Zeit in den Ateliers von Breker

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs flieht Breker nach Wemding (Bayern). Verlust seines gesamten Vermögens in Berlin und Wriezen ohne jemals eine Entschädigung von den selbst ernannten Rechtsnachfolgern DDR und Bundesrepublik Deutschland zu erhalten

Breker wird in deutschen Medien oft als "Nazi-Künstler" und "Lieblingsbildhauer des Führers" abgestempelt. Dagegen halten ihm Verehrer in Frankreich und den USA die Treue. Er gewinnt neue hinzu, in Afrika und Asien, insbesondere in Japan

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Trotz seiner früheren privilegierten Stellung wird Breker bei der "Entnazifizierung" als "Mitläufer" eingestuft und zu 100 Mark Strafe verurteilt, da er sich mehrmals für Verfolgte des Regimes - wie Pablo Picasso und Peter Suhrkamp - eingesetzt hat

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Er sucht zunächst einen Ausweg in archaisierend stilisierter Formverknappung und arbeitet auch an religiösen Werken

Wiederaufnahme und Intensivierung der Kontakte zu seinen Freunden in Frankreich

 

 
Eine umfassendere Breker-Biographie in Daten enthält der Bildband:
 
ARNO BREKER – EIN LEBEN FÜR DAS SCHÖNE
Über 500 Abbildungen. 325 Seiten

     
     
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